Töpfereien von Thordis

Thordis töpfert bereits seit Jahren, und probiert dabei immer wieder gerne neue Formen und Techniken aus. Als Darstellerin einer Frau aus Haithabu lag es natürlich nahe, sich einmal am keramischen Funkomplex in Haithabu zu orientieren. Vorweg: Es wurden anderes als im Fund beschriebene Tone verwendet. Auch wurde nicht im Grubenbrand, sondern in einem herkömmlichen Brennofen bei 900°C (Schrühbrand) gebrannt.

 

Die Kugelkanne – Fundlage (z.B. Fund K.S. 11475.I)

Die Kugelkanne wird nach Baume als „echter Kugeltopf mit einer dicht unter dem Hals liegenden, zur Mündung hin spitz zulaufenden Tülle und einem ihr gegenüberliegenden, den Rand mit der oberen ‚Schulter‘ verbindenden breiten Henkel“ definiert. (Baume, In: W.Hübener, S. 23)

 

Der Henkel:

  • - geht aus der Randlippe hervor
  • - Breite zwischen 2,5 cm – 4 cm, kann in der Mitte auch dünner sein als am Ansatz
  • - Dicke um die 2,5 cm
  • - Auf dem Henkelrücken eine mehr oder weniger stark ausgeprägte senkrechte Furche

Die Tülle:

  • - Am Ansatz, außen an der Gefäßwand, um die 5 cm breit
  • - Breite der Mündung (außen) beträgt 2,5 cm
  • - Ausgusslochweite liegt zwischen 1 cm – 2,5 cm
  • - Die Tülle ist leicht schräg nach oben gerichtet und wird horizontal abgeschnitten.

 

Die Rekonstruktion

Da die Kugelkanne als Kugelgefäß keiner bestimmten Größe unterliegt, entschied sich Thordis für ein kleineres Exemplar. Angepasst an diese Größe wurden die Breite des Henkels und der Tülle, sodass sie zum Gesamtbild der Kanne passen, allerdings alles im Rahmen der Fundvorgaben.

So sind die „Daten“ der Kugelkanne:

  • - Henkelbreite: gleichbleibende 2,5 cm
  • - Tüllenansatz: 4,8 cm
  • - Breite der Tüllenmündung (außen): 2,5 cm
  • - Ausgusslochweite: 1,5 cm
  • - Fassungsvermögen: 1,2 Liter

Abgewichen ist Thordis bei der Henkeldicke, welche nur 1,5 cm beträgt. Dabei gab es keinen technischen oder materialbedingten Grund, sondern lediglich das bessere „Gefühl“. Verbesserungswürdig ist der Rand der Kanne, der bereits zu sehr einem profilierten Kugelgefäßrand entspricht, welcher aber in die neuere Besiedlungsphase datiert. Auf den Fotos gut zu sehen ist auch die Furche am Henkelrücken und die schräg ausgerichtete, horizontal abgeschnittene Tülle. Zur Tülle muss noch gesagt werden, dass sie im Rekonstruktionsversuch zu lang geworden ist; wie man am Fund sieht, waren sie etwas gedrungener.

Der Kugeltopf – Fundlage

Vorneweg sein diese Worte aus dem Fundbericht zitiert: „Innerhalb des Stadtgebietes ist der echte Kugeltopf in den Suchgräben und Flächen so häufig überall angetroffen worden, dass sich eine Kartierung erübrigt.“ (W. Hübener, S. 23) Charakterisiert werden diese vielen Kugeltöpfe durch ihre Ränder. Für die ältere Besiedlungsphase sind das Kugeltöpfe mit runder Randlippe. Ansonsten ist der Spielraum bei Kugeltöpfen in der gesamten Besiedlungszeit sehr groß:

  • - Randweite: 9 – 29 cm (Durschnitt bei 16cm – 22cm)
  • - Bauchweite: 12 cm – 30 cm (Durchschnitt 17 cm – 22 cm)
  • - Höhe: etwa so hoch, wie die Ränder weit sind
  • - echter Kugeltopf: kugelförmig, keine Standfläche

Bild aus W. Hübner, Anhang Tafel 1

Die Rekonstruktion

Da die Größe sehr zweckgebunden scheint, entschied sich Thordis für einen kleineren Kugeltopf, auch wenn er damit unterdurchschnittlich ist. Die „Daten“ des Kugeltopfes: – Randweite: 12 cm – Bauchweite: 15 cm – Höhe: 14 cm – 15 cm – Fassunsvermögen: 1,2 l Auch beim Kugeltopf ist der Rand noch zu stark profiliert und weniger einfach abgerundet.

Die Fußschale – Fund K.S. 1147412.

„Unter Fußschalen werden kalotten- bis trichterförmige, kleinere, sehr weitmundige Schalen verstanden, die auf verschiedenartig gestalteten Standfüßen sitzen.“ (W. Hübener, S. 27) Die zu sehende Fußschale gehört zur Gruppe mit profilierten Schaft und Standfuß.

Typisch sind:

  • - der sich nach oben hin erweiternde Standfuß
  • - die als Standring ausgebildete Standfläche
  • - der ausgehöhlte Fußschaft
  • - Höhe des Standfußes: 4,5 cm – 6 cm
  • - Durchmesser des Standrings: 6 cm- 9,5 cm

Bild aus W. Hübner, Anhang Tafel 2

Die Rekonstruktion

In diesem Fall ist es eine maßstabsgetreue Rekonstruktion des Fundes K.S. 1147412. Lediglich die Profilierung des Fußschafts ist ausgeprägter geworden. Im Fund wird sie nur als schwach angedeutet, fast nur fühlbar beschrieben.

Die sonstigen originalen Maße der Fußschale sind:

  • - Standfußhöhe: 5 cm
  • - Schalenhöhe: 4 cm
  • - Schalendurchmesser: 13,5 cm (14 cm im Original)

Quelle: W. Hübener: Die Keramik von Haithabu, Neumünster 1959.

Aktualisiert am

Schreibe einen Kommentar

Du musst eingeloggt sein um diesen Beitrag zu kommentieren.