Handwerk

Handwerk und Handarbeiten durchzuführen bedeutet, einen Bereich wiederzuentdecken, der ganz elementar mit Menschsein und Kultur verbunden ist. Deswegen gehört Handwerk für uns ganz grundlegend zur frühmittelalterlichen Kulturdarstellung.

Aufbauend auf archäologischem Fundgut versuchen wir plausible Rekonstruktionen verschiedenster Stücke herzustellen.

Textilhandwerk

Unsere Gewandungen und Trachten werden von uns mit bekannten frühmittelalterlichen Stichen (etwa dem Überwendlichstich) genäht. Soweit Schnitte rekonstruiert werden, halten wir uns an diese. Handspinnen, Brettchenweben und Nadelbinden kommen als ergänzende Textilhandwerke hinzu.

Pflanzenfärben

Das Bild von trister und monotoner Farbgebung des Frühmittelalters ist schon lange revidiert worden. Wer es sich leisten konnte, bekannte Farbe, und trug bisweilen Farbkombinationen, die dem modernen Auge eher missfallen würde. Unsere Wollkleidung wird ausschließlich pflanzengefärbt. Dabei halten wir uns beim Färben großteils an belegte Färbedrogen (Walnuss, Krapp, Indigo, Birke usw.).

Schmieden

Mit Holzkohlefeuer, Hammer und Muskelkraft ein Stück Eisen zu formen ist eine unglaublich zehrende, aber auch lohnende Erfahrung.

Durch geschickten Umgang mit ihrem Werkzeug stellen unsere Schmiede Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs sowie Waffen und Werkzeuge her.

Bronzeguss

Edelmetallschmuck ist ein elementarer Trachtenbestandteil aller frühmittelalterlichen Völker.

Wir versuchen durch Recherche und Experiment diese alte Handwerkskunst zu neuem Leben zu erwecken. Dabei fasziniert das unwirkliche Glühen des flüssigen Metalls jedes mal aufs neue.

Korbflechten

Das Flechten von Körben mit Weidenruten ist eines der ältesten Handwerke der Menschheit. Auch im frühen Mittelalter stellte man so allerlei Gebrauchs- und Aufbewahrungsgegenstände her. Es wird angenommen, dass das Korbflechten kein stark spezialisiertes Handwerk (wie etwa das Kammschnitzen) war, sondern von den einzelnen Haushalten je nach Bedarf hergestellt wurde.

Birkenrindenverabreitung

Bereits in der Steinzeit wurde Birkenrinde aus Ausgangsmaterial für vielerlei Dinge verwendet.

Die wasserdichten und konservierenden Eigenschaften der Rinde machen die von uns hergestellten Gefäße (wie etwa Dosen) zu einem idealen Aufbewahrungsmittel für Lebensmittel und Gewürze.

Töpfern

Scherbenreste, wie sie bei Ausgrabungen frühmittelalterlicher Siedlungen gefunden werden, zeigen uns welch wichtige Rolle keramische Gefäße und Gegenstände damals gespielt haben.

Aus verschiedenen Tonarten töpfern wir Gebrauchskeramik wie Becher, Kannen und Krüge. Hin und wieder experimentieren wir auch mit frühmittelalterlichen Keramikbrennverfahren, beispielsweise dem Grubenbrand.

Taschenherstellung

Nur einige wenige Taschenfunde sind für Skandinavien bzw. Norddeutschland zur Wikingerzeit bekannt. Die wenigen erhaltenen Überreste zeichen sich häufig durch besonders reichhaltige Verzierung aus. Wir versuchen, diese Überreste zu nutzbaren Taschen zu interpretieren.

Sax- und Messerscheiden

Viele gut erhaltene Überreste von Messer- und Saxscheiden erlauben Interpretationen. Einige wertvolle Stücke waren mit Bronze-/Messingblech beschlagen, und teilweise mit Ornamenten punziert.

Gürtelbeschläge

Gürtel als Bestandteil der Tracht und als Symbol von Rang spielen im Frühmittelalter in vielen Gegenden eine große Rolle. Wir rekonstruieren Gürtelbeschläge nach Funden aus Gotland, Birka sowie dem Baltikum (z.B. Lamellengürtel mit Quasten).

Mollenhauerei

Zahlreiche Funde belegen die Existenz von Holzmollen. Mittels Axt, Dechsel sowie Holzfeilen fertigen wir Mollen für den täglichen Gebrauch. Hauptsächlich kommen dabei Holzarten wie Ahorn, Buche und Birke zum Einsatz.

Lederverarbeitung

Lederverarbeitung war ein gängiges Handwerk der Wikingerzeit. Das bezeugen Funde von Schuhen, Beuteln, Köchern u.W. Wir versuchen, möglichst nur vegetabil gegerbtes Leder von Tieren, die eine Ähnlichkeit zu den mittlerweile fast vollständig ausgestorbenen Haustierrassen des Frühmittelalters, zu verwenden.